Die erste blinde fotografische Position in einer „Werkschau“ der Uni Hildesheim

Besteht evtl. ein Zusammenhang zwischen unserer Sprache und Wahrnehmung? Warum heißt es bspw. ausgerechnet DER Himmel? Was macht das mit unserem Blick? Ist der nicht u.a. noch immer sehr eurozentristisch? Wie wird der Himmel bspw. von Personen wahrgenommen, die nach gegenwärtigen Normen, angeblich nicht sehen? Und was würde passieren, wenn z.B. bundesdeutsche (Kunst)Unis tatsächlich vielfältigere künstlerische Perspektiven zu solchen o.ä. Themen verhandelten?

Seit Beginn des von mir besuchten Seminars „Im der Himmel der Fotografie“ am Fachbereich 2 (FB 2) der Universität Hildesheim, stehe ich mit Silja Korn u.a. zu diesen Fragen im Austausch. Unter dem Arbeitstitel „Silja Korn, die Fotografie und der Himmel des weißen Mannes“ hing im Februar 2020 eben dort unsere gemeinsam erarbeitete bisensusale künstlerische Position, die unsere Erfahrungen bzgl. des Umgangs mit Behinderung im zeitgenössischen Kunst- und Kulturbereich thematisiert, auch wenn da viel gerade Positives genewslettert wird. So ein wenig Guerilla Girls Stlye halt!

Wir haben beschlossen, das Geheimnis um den in Siljas Fotografie eingelassenen Brailleschrift-Text zu lüften bzw. für die, diesen nicht ertasten können, zu übersetzen:

„Himmel her, Hölle hin, so lang die Kunst von Künstler*innen mit Behinderung mehrheitlich von Menschen ohne Behinderung kuratiert, ausgestellt und rezipiert wird, kann von Inklusion im Kulturbereich keine Rede sein.“

Merci Silja Korn! Nach einem Bachelor- und nun fast abgeschlossenen Masterstudium bist Du übrigens die erste blinde Fotografin, die mir in einer Werkschau des FB 2 begegnete…

Bildbeschreibung: Das angehängte Foto ist eine Doppelbelichtung, das einen groben Ausschnitt von Siljas Fotomotiv und der eingelassenen Brailleschrift andeutet. Zudem soll es den nicht barrierefreien Ausstellungsraum, ein Treppenhaus, vergegenwärtigen, in dem Siljas Foto rechts neben einer Tür, über den Feuerlöcher hängt.

Credits: St. Solbrig 2020