Das Foto zeigt Steven mit vier Kindern in einem dunkeln Raum wie sie mit Licht malen.

Inklusive Kulturvermittlung

Die Inklusive Kulturvermittlung versteht Kulturvermittlung als „Oberbegriff für verschiedene Funktionen, (…) zwischen künstlerischer Produktion und Rezeption (…)“ (Mandel 2013/12). Dieser „kann sich auf kulturelle Ausdrucksformen im weitesten Sinne beziehen und ebenso die Vermittlung zwischen Kulturen meinen wie Vermittlung im Kontext von Alltagskultur “ (ebd.). Dabei wohnt jener Vermittlung fraglos immer ein (kultur)politischer Moment inne.

Gerade deshalb und sowieso muss die Inklusive Kulturvermittlung stets nach Machtgefällen suchen, nach Ausschlüssen innerhalb ihrer Zusammenhänge und diese offen thematisieren. Denn Inklusion ist für sie nicht ein weiterer Containerbegriff zur Legitimation bestehender Hierarchien. Die Inklusive Kulturvermittlung verhandelt so stetig die nötige sprichwörtliche „Augenhöhe“ jeweiliger Zusammenarbeit, aller Beteiligten. Darüber hinaus sucht sie nach Zugängen, nach Verschränkungen für/mit andere(n) margnialsierte(n) Dimensionen, immer wieder aufs Neue, hinzu einem gelebten breiten Inklusionsbegriff.

Die Inklusive Kulturvermittlung fußt zweifellos auf den Methoden der Soziokultur sowie der Kulturellen Bildung, die die Sichtbarkeit (der Kunst und Kultur) von/mit Behinderung spätestens seit Verabschiedung der UN- Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in der BRD bis heute fördern. Gleichzeitig hinterfragt sie deren immanenten (kultur)pädagogischen Gestus in Verbindung mit den Ansätzen der Disability Studies. Denn die Inklusive Kulturvermittlung zielt letztlich auf eine selbstbestimmte Sichtbarmachung und aktive Teilhabe (einer Kunst und Kultur ) mit/von Behinderung innerhalb des Kunst- und Kulturbetriebes, auf dem ersten Arbeitsmarkt, in der Forschung, inmitten der Gesellschaft.

Wir (Menschen mit Behinderung) sind nicht länger ‚nur‘ Empfänger:innen von Sozialleistungen oder Weiter/Fortbildungsprogrammen, vereinzelte Role Models oder gar Tokens! Wir haben das Recht selbstbestimme Kunst- und Kulturvermittler:innen, (Kultur)akteur:innen und Künstler:innen auf allen Ebenen zu sein.

Deshalb hier der Versuch eines gebündelten Maßnahmenkatalogs für eine inklusive Kulturvermittlung an die bundesdeutsche Kulturpolitik (Auszug aus der Masterarbeit „:KunstSelbstBestimmen -Zur Sichtbarkeit und Teilhabe von Künstler:innen mit Behinderung innerhalb des deutschen Kunst – und Kultursektors“ (Stand: 21.02.2021))

„1. Initiierung einer profunden Forschung der Kulturvermittlung zur Dimension inklusive einer Evaluierung der bereits existierenden Termini, Modelle, Theorien und der bisherigen/derzeitigen Projekte von Inklusion im bundesdeutschen Kunst- und Kultursektor
2. Sichtbarmachung und Verschränkung der Forschungsergebnisse der Disability Studies zur Thematik
3. aktive und gleichberechtigte Teilhabe von Wissenschaftlicher:innen mit Behinderung an jener Kulturpolitikforschung
4. Transformation der Forschungserkenntnisse in barrierefreie Formate
5. Schaffung von Coaching- oder Mentoring- Programme für Entscheidungs- und
Führungsträger:innen der Kultur- und Kunstinstitutionen hinsichtlich Ableismus,
Teilhabe, Barrierefreiheit und Inklusion
6. Schaffung von Zugängen für Personen mit Behinderung zu allen Bereichen und allen Ebenen der Kulturvermittlung, das heißt auch zu Entscheidungs- und
Führungspositionen
7. Förderung einer barrierefreien berufsqualifizierenden Kulturvermittlung mit
Behinderung
8. Förderung eines Netzwerkes von Kulturvermittler:innen mit Behinderung
9. Schaffung inklusiver Finanzierungsmodelle durch barrierefrei eingerichtete
Förderstrukturen für künstlerische Projekte mit Behinderung
10. Gestaltung von barrierefreien Ausschreibungen zu Residenzprogrammen und
Weiterbildungen sowie Besetzung möglicher Auswahlgremien mit Menschen mit
Behinderung
11. Schaffung einer behindertengerechten Entlohnung im Feld derKulturvermittlung
sowie allgemein im bundesdeutschen Kunst- und Kulturbereich
12. Schaffung von Maßnahmen zur Förderung eines gesellschaftlichen Bewusstseins
hinsichtlich des noch immer weit verbreitenden Ableismus und die sich daraus ergebende prekäre Lage von Menschen mit Behinderung, auch im Kunst- und Kulturbereich
13. Stärkung eines kulturpolitischen Engagements hinsichtlich der Umsetzung der
bereits bestehenden Gesetze sowie Aktionspläne et cetera in puncto Inklusion
14. Stetige Überprüfung der genannten Lösungsansätze auf ihre Aktualität sowie hinsichtlich der potentiellen Adaptierung und ihrer Verschränkung auf/mit anderen
Heterogenitätsdimension“

Sei dies eine kulturpolitische Haltung, eine Utopie, eine Art Selbstverständnis für eine Selbstständigkeit mit Behinderung.

Angebotene Leistungen unter „Inkluisver Kulturvermitllung“:

  1. Inklusives Projektmanagement/koordination, von der Projektkonzeptualisierung, inklusivem Audience Development über die Fördermittelakquise bis zur diskriminierungssensiblen Durchführung
  2. Coaching/ Workshops/ Vorträge zu (Anti-)Ableismus, Behinderung, Inklusion sowie Teilhabe sowie Zugänglichkeit in den Künsten und der Kulturpolitik
  3. Durchführung von (inklusiven) literarischen, dramaturgischen, fotografischen sowie musealen, kulturvermittlerischen Formaten
Auf dem Bild ist im Vordergrund ein leerer Rollstuhl zu erkennen. Daneben steht ein Schild neben einem Treppenaufgang, auf dem steht: Achtung Straßenschäden. Weiter oben auf eine Art Damm ist ein Paar auf einer Bank zu erkennen
Foto von Solbrig

——

Inclusive cultural mediation addresses itself mainly at people with disabilities. However, it also cooperates with non-disabled people. It is based on the methods of socioculture and cultural education, which promote the visibility (of art and culture) of people with disabilities, since the ratification of the UN disability rights Convention. At the same time, it questions the (cultural) pedagogical gestures in connection with the approaches of disability studies. Inclusive cultural mediation aims at self-determined visibility and participation (of an art and culture) of / with people with disabilities within the art and culture industry, on the primary job market, in the center of society. We (people with disabilities) are no longer ‚just‘ recipients of social benefits or training programs! We have the right to be artists, art mediators, (cultural) stackholders on all levels and in all sector of life. Let this be a preamble to self-employment with a disability.

For detailed information concering workshops, seminars etc., please contact me: post@stevensolbrig.de